Frank in Bogota

05.01.2016

Vielleicht war es ja eine verrückte Idee, im Urlaub nach Kolumbien zu fliegen und dort auf eigne Faust im Land herum zu reisen.

„Das Land“ erstreckt sich für mich bisher auf einen kleinen Teil der Hauptstadt Bogota, was ich mit meiner sehr hilfsbereiten Spanisch-Lehrerin Andrea bisher gesehen habe. Aber die Eindrücke der ersten Tage waren es schon wert 🙂

Auch wenn ich mich nach zwei Tagen Spanisch-Einzelunterricht eher gestresst und unsicher fühle, ob ich am Ende der Woche wirklich fit für weitere zweieinhalb Wochen hier sein werde. Denn mit Englisch, habe ich den Eindruck, komme ich hier noch weniger zurecht als bei meiner nur eine halbe Woche kurzen Solo-Tour 2013 durch Argentinien und Brasilien. Aber was soll‘s:  No risk – no fun …

Nun, was sind die Eindrücke dieser ersten beiden Tage? Hier nur zwei Themen:

Soziale Unterschiede so, wie sie oft kolportiert werden

Die Mittelschicht von gutsituierten und sehr freundlichen Menschen wie z.B. Andrea – geschützt durch unglaublich viel Sicherheits-Personal – und am unteren Ende viele Bettler und Taschendiebe. Den ersten Versuch eines Handy-Diebstahls bei Andrea habe ich grad selbst erlebt und sie sagte heute zu meinen Reiseplänen Richtung Medellin und Cali: „Bogota is just the beginning“…
Nun, ich habe grad beschlossen, noch ein bisschen länger in Bogota zu bleiben, und mich ansonsten auf die touristisch erschlossenen Gegenden wie das „Kaffee-Dreieck“ zu konzentrieren.

Ich denke: Kolumbien ist auf einem guten Weg, seinen schlechten Ruf zu überwinden – aber dieser Weg dauert noch ein bisschen. Rückschläge nicht ausgeschlossen – Andrea z.B. sagt, viele Menschen hier sind skeptisch, ob die Friedensverhandlungen mit der FARC in die richtige Richtung gehen. Ich wünsche dem Land das Beste!

Der Transmilenio!

Dieses Interesse ist beruflich und auch persönlich – dieses Schnellbus-System ist schon etwas ganz Besonderes.

Wer das Thema nicht kennt kurz zur Info:
Bogota hat jahrzehntelang erfolglos an einem U-Bahn-System geplant – bis man dann alle U-Bahn-Pläne in die Tonne getreten, den Aufbau eines extrem durchsatzstarken Schnellbus-Netzes beschlossen – und dann auch schnell und radikal umgesetzt hat. Es gibt nun separierte Fahrspuren, kreuzungsfreie Stationen mit Zugang über Brücken, und eine atemberaubende Geschwindigkeit, mit der die Busse unterwegs sind. Man muss sich gut festhalten, wenn sie in die Stationen einfahren – beim ersten Stopp bin ich fast umgefallen. Man hat in Bogota halt keine Zeit zu verlieren … Die Fahrzeuge rasen durch ihre Trassen, zusätzlich zu den an allen Stationen haltenden gibt es Expressbusse und Überholspuren – ein ausgeklügeltes System. Aber die Busse sind nun schon fast 20 Jahre alte, die Dieselmotoren rauchen und stinken – es schreit sozusagen nach Elektrifizierung …

Hier mal ein Bild mit den Montserrat-Bergen im Hintergrund – auf die ich am Wochenende wandern will:

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Soweit mal… Ich beabsichtige diese Seite fortzuführen. Mal schauen…

 

09.01.2016

So, nun nach einigen Tagen mal ein Update…

Das wichtigste ist für mich, dass sich das Sicherheits-Gefühl weiter verstärkte. Ich fühle, ich werde in diesem Land klarkommen, so wie bei meinen letzten Backpacker-Touren. 100%ige Sicherheit gibt es nirgends, und Taschendiebe gibt es überall – dass ich gleich am ersten Tag mit einem (aber eher stümperhaften) Versuch eines Handy-Diebstahls konfrontiert wurde war wohl eher ein Zufall. Abgesehen davon habe ich fast ausnahmslos freundliche Menschen getroffen. Einige Beispiele:
Ein Verkäufer rannte mir auf die Straße hinterher, als ich eine gekaufte Wasserflasche vergaß.
Eines Abends erlebte ich nette zusammengewürfelte Gemeinschaft, die sich beim Bier zusammen fand (Kolumbianer, ein Slowake, der sich bei einem Praktikum hier verliebt und verheiratet hat, und ich). Der Abend war super nett, und ich habe mich dann sogar entschlossen, von der Kneipe einen „Spaziergang“ ca. 5km durch die dunkle Stadt zu machen. Was im Allgemeinen nicht empfohlen wird, und es waren auch Gegenden verschiedenster Art, ärmere, Rotlichtviertel usw – aber ich habe natürlich ständig aufgepasst – und mich auf dem gesamten Weg nie unsicher oder gar bedroht gefühlt. Von der tagsüber sichtbaren Unzahl an staatlichem und privaten Sicherheitspersonal (mehr als ich je in einem Land gesehen habe, nicht mal in Israel) war um dies Zeit und in diesen Gegenden dann nichts zu sehen…. aber ich fühlte mich dennoch nicht unsicher.
Alle haben viel Geduld mit meinen Sprachkenntnissen.
Und an dieser Stelle mache ich auch mal Werbung für meine prima Sprachlehrerin Andrea: Sie ist super nett, hilfsbereit, fair und als Lehrerin talentiert – auch wenn meinerseits der Fortschritt beim Spanisch nicht so schnell voranging wie erhofft – aber das lag nicht an ihr..
Hier waren ich mit ihr auf dem Plaza de Bolivar:

Andrea

Wer mal in Bogota einen Spanischkurs benötigt: andreabmonte@gmail.com (Link auf Website folgt).

Interessant auch, dass ich die viel kolportierte südamerikanische Unpünktlichkeit sich mir gar nicht darstellte. Andrea kam zwar nie auf die Minute genau, aber immer im Rahmen weniger Minuten und vor allem immer mit Ankündigung. Lustig war ein Erlebnis am Präsidenten-Palast. Innerhalb von etwas zehn Minuten waren wir mehrmals von diesen – trotz ihres martialischen Äußeren – sehr freundlichen Herren kontrolliert worden. 

PräsidentenPalast

(Andrea sagte dann: Besonders freundlich sind sie, wenn Touristen dabei sind…). Bei der letzten Kontrolle wechselte die Ansprache von “buenos dias” auf  “buenos tardes”. Andrea hatte mir zuvor erklärt: Bis 12Uhr wird “buenos dias” verwendet, danach “buenos tardes”. Die freundlichen Herren haben tatsächlich minutengenau ab 12Uhr auf die Nachmittags-Grußformel gewechselt.

Aus verschiedenen weiteren Erlebnisse hier nur eins: den Blick vom Hausberg Monserrate. Leider ist der Fußweg nach oben wegen Erdrutschen gegenwärtig gesperrt – so bin ich nicht standesgemäß hochgelaufen, sondern mit der Seilbahn gefahren. Der Blick auf die Stadt ist toll. Im Internet findet man natürlich noch viele weitere Fotos, aber das hier ist „meins“:

Monserrate

Hier noch ein Foto von einem der längsten Busse der Welt:

Transmilenio

Ich bin inzwischen nach der Geschwindigkeit der Schnellbusse gefragt worden: Weiß ich nicht genau, geschätzt etwa 80km/h. Der Vorteil liegt aber vor allem in den separierten Fahrspuren – dort wo sie vorhanden sind. Auf diesem Foto hier nicht, in der Altstadt zuckelt er wie jeder andere Bus von einer Ampel zur anderen. Aber auf den kreuzungsfreien Hauptmagistralen  (Foto oben) rasen sie bis kurz an die Haltestelle heran und bremsen dann hart – man hat den Eindruck, das macht den Fahren richtig Spaß..)

Soweit mal wieder.. Morgen reise ich ab aus Bogota Richtung Norden – die Fortsetzung folgt dann auf einer neuen Seite …

 

 

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